Kommentar:
Der Tod eines Unbequemen
Neues Schwaben,
September 2003
Am 5. Juni diesen Jahres
verbreitete sich die Meldung über den Tod
des in Augsburg geborenen Oppositionspolitikers Jürgen W. Möllemann wie
ein Lauffeuer. Ohne die näheren Umstände zu kennen,
verbreiteten sämtliche Medien sofort, daß Möllemann
Selbstmord begangen habe. Kritischen Bürgern kam diese vorschnelle
These von Anfang an sehr zweifelhaft vor. So gab es doch genügend
Feinde Möllemanns, denen der Tod des 57-Jährigen sehr gelegen
kam. Schließlich verstieß Möllemann mit seiner Kritik
am Staat Israel und am Zentralrat der Juden in Deutschland gegen die
bei allen Altparteien herrschende Vorschrift, daß unter gar
keinen Umständen an Juden oder jüdischen Organisationen auch
nur der Hauch einer Kritik laut werden dürfe.
Enge politische Weggefährten, wie der FDP-Fraktionschef von
Schleswig-Holstein Kubicki oder der ehemalige Bundesaußenminister
Genscher, schlossen einen Selbstmord kategorisch aus. Auch die Ehefrau
Carola Möllemann glaubt nicht an einen Selbstmord, sondern ist von
der Ermordung ihres Gatten überzeugt. So sei sie mehrfach von
einem anonymen Anrufer gewarnt worden, daß bei den
Fallschirmsprüngen ihres Mannes etwas passieren könne.
Die Argumente für einen Selbstmord überzeugen nicht. Denn was
ist das
für ein Selbstmörder, der erst seinen Fallschirm bei 1600
Metern öffnet und dann bei 900 Metern wieder ausklinkt?
Möllemann war ein viel zu rational denkender Mensch, als daß
er sich von irgendwelchen spontanen Gefühlsaufwallungen hätte
steuern lassen. Die als Selbstmordgrund herhaltenden juristischen
Vorgänge können wohl kaum ein Auslöser gewesen
sein. Denn schließlich standen die Ermittlungen kurz vor der
Einstellung, da sich die Anwälte von Möllemann schon mit der
Staatsanwaltschaft auf eine Geldbuße geeinigt hatten.
Auch stand
Möllemann nicht vor dem politischen Ende, wie es die Medien in
diesen Tagen beschworen. Hätte Möllemann eine neue Partei
gegründet, so hätten ihn nach seriösen Umfragen
mindestens 8 Prozent der Wähler bei einer Bundestagswahl
gewählt. Damit wäre die Möllemann-Partei
drittstärkste Kraft in diesem Land geworden, und dies mußte
wohl verhindert werden. (hm)