Politische Bildung und Schulung
Referate und
Material zur politischen Schulungsarbeit
Albert Leo
Schlageter
Der Lebensweg eines deutschen
Freiheitskämpfers
„Während deutsche Kinder
sterben, weil selbst die lebensnotwendigsten Nahrungsmittel fehlen,
müssen für jeden französischen Besatzungsoffizier drei,
für jeden französischen Besatzungssoldaten ein und für
jeden von den Franzosen mitgebrachten Hund (!) ebenfalls ein Liter
Vollmilch abgegeben werden. Innerhalb der ersten 19 Monate der
französischen Besetzung werden 137 Deutsche ermordet und 603 -
teilweise lebensgefährlich - verletzt. Separatisten wollen die
Rheinlande vom Reich abtrennen. In dieser Situation bilden sich
überall im besetzten Land Gruppen von Freiheitskämpfern, die
gegen die brutale Unterdrückung vorgehen. In ihren Reihen
kämpfen Bergarbeiter und ehemalige Soldaten, Gewerkschafter und
Freikorpsleute, Nationalisten wie patriotische Linke. An ihrer Spitze:
Albert Leo Schlageter, aus Berlin herbeigeeilt, eine mühsam
aufgebaute Existenz hinter sich lassend, um die Freiheit Deutschlands
zu verteidigen.“
Einst war der Name dieses Mannes in aller Munde, sein Freiheitskampf
von vielen unvergessen! Heute künden nur noch wenige
Denkmäler von seinen ruhmreichen Taten. Aus den Lexika und
Schulbüchern ist er gänzlich verschwunden. Nur in einigen
wenigen aufrechten deutschen Herzen lebt sein Kampf und Opfergang
weiter.
Wer war dieser Held?
Jugend
und Kriegseinsatz
Am 12. August 1894 wird Albert
Leo Schlageter als siebtes Kind einer
Bauernfamilie in Schönau im Schwarzwald geboren. Voll Heimweh nach
dem Elternhof erwartet er jedesmal ungeduldig die Ferien, als er seine
Gymnasialzeit in Freiburg verleben muß. Die Liebe zu Eltern und
Geschwistern und die Liebe zur Heimat zeichnen sein ganzes Leben aus.
Aber diese Liebe bleibt nicht auf die grünen Höhen des
Schwarzwaldes beschränkt, sondern umschließt schon früh
das ganze Deutschland.
Schlageter ist noch in der Oberprima, als Anfang August 1914 der
Weltkrieg ausbricht. Ahnungslos war das deutsche Volk seiner Arbeit
nachgegangen, unwissend, daß die es umringenden Feindmächte
den durch seinen Fleiß und seine Tüchtigkeit erworbenen
Besitz als verlockende Beute ausersehen hatten und diesen
überlegenen Wirtschaftskonkurrenten vernichten wollten. In einem
begeisterten Aufbruch erhebt sich das Volk in einer Einigkeit, wie es
sie noch nie zuvor in der Geschichte gezeigt hatte. Die Freiburger
Studentenschaft marschiert singend durch die Straßen und tritt
fast geschlossen in das Feldheer ein. Hierbei ist anzumerken, daß
Schlageter nach seiner Notreifeprüfung Mitglied der CV-Verbindung
„Falkenstein zu Freiburg“ wird. Danach meldet er sich sofort freiwillig
zum 76. Feldartillerieregiment.
Am 7. März 1915 rückt er an die Westfront, an der er den
ganzen Krieg über – hauptsächlich in Flandern - kämpft.
Mit 23 Jahren wird er Offizier und bald Führer einer eigenen
Batterie. Wegen vorbildlicher Tapferkeit erhält er das Eiserne
Kreuz Erster und Zweiter Klasse. Schlageter war eine geborene
Führernatur, für sich keine Schonung kennend,
zurückhaltend, fast wortkarg, aber allzeit frohen Mutes. Als
Vorgesetzter zeichnet er sich durch eine warmherzige Fürsorge
für seine Männer aus.
Mit einer ebenso treuen Anhänglichkeit halten diese zu ihrem Chef,
den sie mehr neben als über sich wissen. Als ihm einmal in
Ruhestellung ein Bett zugewiesen wird, während seine Männer
im Stroh schlafen müssen, lehnt er das Bett mit den Worten ab: „Ich schlafe, wo meine Männer
schlafen!“
Seine Vorgesetzten bewerten ihn als hart, zuverlässig und für
besonders schwierige Aufgaben geeignet.
Frühjahr 1918: Granaten haben die Erde Flanderns aufgerissen. Seit
vier Jahren tobt nun schon der Krieg, der die europäischen
Völker zerfleischen soll. Mittendrin als Leutnant - Schlageter.
Dort in der Kriegswüste griff der „Flandrische Tod“ auch nach
Schlageter. Als Artilleriebeobachter besteigt er den weit ins Land
schauenden Kirchturm von Warneton, um das Feuer der deutschen Batterien
zu leiten.
Der Feind weiß um die Bedeutung dieses „Auges des Gegners“ und
deckt den Turm mit seinen Artilleriesalven ein. Schlageter weiß,
daß dies ein Todeskommando ist, doch er hält aus. Da
schlägt ein Volltreffer in den schon schiefgeschossenen Turm.
Krachend stürzt er zusammen, Schlageter mit sich reißend.
Man hält ihn für tot, aber er kommt mit schweren Prellungen
davon. Das Schicksal hatte noch anderes mit ihm im Sinne. Nach Genesung
im Lazarett kaum wieder an der Front, muß er den Anfang der
Niederlage erleben. Auch Schlageters Batterie wird zurück ins
Reich beordert. Die kaiserlichen Truppen konnten trotz erbittertem
Widerstand den „frischen“ amerikanischen Invasoren nicht länger
standhalten und zogen sich kämpfend zurück.
Baltikum
und Schlesien
Schlageter kehrt in seine Heimat - den Schwarzwald, den er zu
Kriegsbeginn verlassen hatte - zurück, eine ihm fremd gewordene
Heimat. In Freiburg läßt sich Schlageter für das
Studium der Nationalökonomie eintragen. Doch Europa will keine
Ruhe finden. Von Osten her tönt der Hilferuf der Balten. Die „Rote
Armee“ fällt unter entsetzlichen Greueltaten in das alte deutsche
Ordensland ein. Tapfer wehrt sich die deutsch-baltische
Bevölkerung gegen die roten Horden. Jedoch war die baltische
Landwehr zu schwach, um solch einem Feind lange standhalten zu
können. Auf Veranlassung der neuen in Deutschland gebildeten
Regierung organisieren sich Freiwilligenverbände; die „Freikorps“
eilten zur Hilfe. Unter anderem auch die Batterie Schlageters. Der
bolschewistische Terror wurde aus Riga und dem Baltikum
hinausgetrieben. Das anfangs versprochene Siedlungsland, das den
Freikorpskämpfern zustand, wurde ihnen wieder abgesprochen. „Der
Mohr hat seine Schuldigkeit getan - nun kann er gehen!“ Die im Hafen
liegenden britischen Kriegsschiffe wurden seitens des lettischen
Ministerpräsidenten Ulmanis gebeten, die Deutschen aus dem Land zu
drängen. Die deutsche Regierung ruft unter dem Druck von
Versailles die Truppen zurück. Einige Verbände weigern sich
und bestehen auf dem Vertrag mit der lettischen Regierung. Daraufhin
sperrt die deutsche Regierung jeglichen Nachschub für die
Freikorpsverbände. Eine erbitterte Leidenszeit beginnt: ohne
Verpflegung, ohne Sanitätsmaterial und mit zerlumpter Kleidung
streifen sie hungernd und frierend durchs Land, welches sie befreit
hatten, und in dem sie nun durch einen Verein von Letten, Esten und der
Roten Armee bekämpft werden. Man verbündete sich angesichts
dieses zweiten „Dolchstoßes“ mit der zarentreuen „Weißen
Armee“. Die Freikorps und die Weiße Armee schlugen zurück,
aber nun griff die britische Flotte in die Kämpfe ein, zugunsten
der Roten. Die Weißrussen und Freikorpsverbände zogen sich
zurück - der Winter brach an und mit ihm ein neuer Leidensweg.
Auch das zur Hilfe geeilte Regiment Roßbach konnte nicht zum Sieg
verhelfen. Die Freikorps mussten zurückweichen. Von einst 10.000
Mann erreichten nur 5800 die ostpreußische Grenze.
Schlageter ging mit seiner Batterie als einer der letzten aus dem Land,
in dem das über 1000 Jahre alte Deutschtum nun erlosch. Wir
schreiben das Jahr 1919, es brodelt im Nachkriegsdeutschland. Die
verräterische Regierung Ebert ruft die Freikorps erneut zu Hilfe
zur Zerschlagung der kommunistischen Aufstände. Am 6. April, als
die Kämpfe gegen die kommunistische Pest noch toben, fallen die
Divisionen der französischen Armee ins entmilitarisierte Rheinland
ein. Es folgen Sabotageakte seitens der Freikorps, doch
Unterstützung erhalten sie wenig von der Regierung, und werden
letztendlich von ihr aufgelöst. Sollte das der Dank des
Vaterlandes sein? Im Winter 1920/21 schippte Schlageter im Rahmen des
freiwilligen Arbeitsdienstes in den Straßen von Königsberg
Schnee.
Februar 1921: polnische Freischärler terrorisieren die
Bevölkerung Oberschlesiens, mit dem Ziel der Abtretung
Oberschlesiens an Polen. Freikorpsverbände dürfen nicht
eingreifen und sind in dem Land auch kaum anwesend. Doch im
Frühjahr 1921 brechen Freikorpskompanien, getarnt als
Arbeitsgruppen und Reisende auf, um den Ostdeutschen zu Hilfe zu eilen.
Es kommt zu erbitterten Kämpfen und furchtbaren Greueltaten
seitens der Polen. Die deutsche Regierung distanziert sich von den
Freikorps und sperrt die Grenzen, um einen weiteren Zuzug von
Freiwilligen zu verhindern. Die entscheidende Schlacht um den Annaberg
bricht aus. Siegreich gingen die Freikorps aus dem Kampf hervor und
stolz wehte am 24. Mai die schwarz-weiß-rote Fahne vom Turm der
Michaelskirche. Ein Kleinkrieg folgte, mit sich nicht
zurückziehenden polnischen Milizen und Franzosen. Die Kabinette
der Siegermächte des 1. Weltkriegs traten zusammen und entschieden
die Teilung Oberschlesiens zwischen Polen und Deutschland - entgegen
dem Ergebnis der Volksabstimmung vom Anfang des Jahres 1921, in der
sich 60 Prozent der Bevölkerung für Deutschland aussprachen.
Wieder, wie damals im Baltikum, forderte die deutsche Regierung die
Freikorps auf, das Land zu verlassen. Angekommen an der Grenze, empfing
man die Freiheitskämpfer nicht mit Dank um das Erbrachte, sondern
mit Verleumdung und Hohn. Die Einheiten wurden entwaffnet und
zerstreut. Schlageter zog es nach Danzig, wo ein politischer Krieg von
Geheimdiensten und Spionen tobte. Hier wurde Albert Leo Schlageter als
Agent für die deutsche Sache tätig.
Der
letzte todesmutige Einsatz für Deutschland
11. Januar 1923: französische Truppen fallen in das Ruhrgebiet
(den wichtigsten Industriestandort) ein. Ähnliche Ereignisse wie
im deutschen Osten spielten sich auch hier ab. Unterdrückung,
Schikanen und Mord an der deutschen Zivilbevölkerung werden Alltag
(blutiger Ostersamstag in Essen). Heimlich, aus all ihren
Schlupflöchern in ganz Deutschland kamen sie, die
Freikorpsverbände. Man trifft sich wieder, die alten Kameraden der
einstigen Kompanien von Freiheitskämpfern. Schlageter –
mittlerweile Mitglied der NSDAP - übernimmt die Führung der
Kampftruppe im Bezirk Essen. Bei einer Besprechung über
Sabotageakte gegen die französische Besatzung: „Schlageters Finger
gleitet auf der Karte über die Strecke Duisburg-Düsseldorf,
dort liegt die Eisenbahnbrücke bei Calcum.“ Sie, die für die
französische Besatzung so wichtige Brücke, muß
gesprengt werden. Über diese Strecke sollten am 16. Mai 1923 neue
französische Militärtransporte anrücken, um die
Ausplünderung des Ruhrgebiets weiter auszudehnen. In der Nacht
läuft die Aktion an. Schlageter sprengt die Brücke. Dort
würde kein geraubter Güterzug mehr deutsche Kohle nach
Frankreich schleppen.
Zimmermann, ein Kamerad Schlageters, stellt am nächsten Morgen den
Schaden der Sprengung fest und wird dabei verhaftet. Der Verdacht,
daß der allseits bekannte Schlageter beteiligt war, liegt den
Franzosen nahe. Schlageter wird ebenfalls verhaftet. Albert Leo
Schlageter ließ seinen Kameraden einen Brief zukommen, in welchem
er seine Leute warnte und zur Vorsicht riet. Trotz seiner misslichen
persönlichen Situation, trotz Folterung und Peinigung dachte er in
solch schweren Tagen hauptsächlich an seine Kameraden. Über
die Frage der Person des Verrats wurde lange diskutiert, heute steht
fest, daß es sich um einen gewissen Wilhelm Schneider handelte,
der als Spitzel der Franzosen tätig war. Dieser Mann, dessen
persönliche Verhältnisse bis heute im dunklen liegen, verriet
Schlageter und seine Kameraden für einen Judaslohn von 1.600.000
Papiermark (nicht viel wert, da Inflation). Hier offenbart sich eine
tragische Eigenschaft der deutschen Geschichte. Neben dem strahlenden
Helden - der niederträchtige Verräter.
An dieser Stelle eine unmißverständliche Äußerung
Napoleons I. über das deutsche Volk: „Leichtgläubiger ist
kein Volk gewesen und törichter kein anderes auf Erden. Keine
Lüge ist so grob ersonnen worden, der sie nicht in unbegreiflicher
Albernheit Glauben beigemessen hätten. Die törichte
Mißgunst, womit sie sich untereinander angefeindet, habe ich zu
meinem
Gewinn wohl gehegt. Immer haben sie mehr Erbitterung gegeneinander als
gegen den wahren Feind gehegt.“
Auch Schlageters übrige Kameraden wurden später verhaftet und
ins Düsseldorfer Gefängnis Derendorf gebracht, wo sie endlose
Wochen der Folter und Qual erwarteten. 8. Mai 1923: Die Verhandlung
beginnt, der Verhandlungsraum ist bis auf den letzten Platz besetzt.
In aufrechter Haltung betreten die sieben Kameraden
1. Kaufmann Albert Leo Schlageter,
Berlin,
2. Kaufmann Hans Sadowski, Essen,
3. Medizinstudent Alois Beker, Metz,
4. Schlosser Georg Werner, Potsdam,
5. Kaufmann Georg Zimmermann, Friedrichshagen,
6. Zeichner Bisping, Essen,
7. Ingenieur Karl Max Kuhlmann, Essen,
den Gerichtssaal. Nach einer kurzen Verhandlung folgt das Urteil. Es
lautet:
„Es werden verurteilt: Schlageter
wegen Spionage und Sabotage zum Tode. Sadowski wegen Spionage und
Sabotage zu lebenslanger Zwangsarbeit. Beker wegen verbrecherischen
Komplotts und Spionage zu 20 Jahren Zwangsarbeit und
Aufenthaltsuntersuchung. Zimmermann wegen verbrecherischen Komplotts
und Spionage zu 10 Jahren Zwangsarbeit. Bisping zu 7 Jahren
Gefängnis und Kuhlmann zu 5 Jahren Gefängnis.“
Die Angeklagten nehmen das Urteil mit Fassung entgegen. Schlageter
zuckt bei der Verkündung des Todesurteils mit keiner Wimper. Sein
Gesicht bleibt unbeweglich und fest. Nur diesen Mördern keine
Schwäche zeigen, geht es ihm durch den Sinn. Die Verurteilten
werden nun unter starker Bewachung abtransportiert. Eine riesige
Menschenmenge hat sich vor dem Gerichtsgebäude schweigend
versammelt. Das Todesurteil erregte in der gesamten zivilisierten Welt
Aufsehen. Das Internationale Rote Kreuz, der Papst, der Erzbischof von
Köln, die Königin von Schweden, unzählige ganz
verschiedene Kreise aus der ganzen Welt versuchten, ihren Einfluß
für eine Milderung des Urteils geltend zu machen - eines
Bluturteils, das auf deutschem Boden gegen einen Deutschen
verhängt worden war, der nichts anderes getan hatte, als seinem
Vaterland in dessen schwerster Not zu helfen und zu dienen.
Eine Hand voll alter Kameraden Schlageters bleibt nicht untätig.
Heinz Hauenstein und seine Leute haben einen großangelegten Plan
der Befreiung erarbeitet. Der Befreiungsversuch scheiterte aber schon
bei den Vorbereitungen durch Eingreifen der Polizei. Albert Leo
Schlageter mußte jetzt dem Tod ins Auge sehen.
Er war seit zehn Jahren an dem
Umgang mit dem Tod gewöhnt. Die
Granatsplitter draußen im Feld konnten sein Leben nicht
auslöschen. Die Schüsse der Roten im eigenen Land hatten ihr
Ziel verfehlt, doch der Steckbrief des Vaterlandes hat es endlich
bewirkt, er wird auf einem Sandhaufen mit verbundenen Augen sterben.
Nun hielt er kritische Rückschau auf sein Leben.
Schon damals, als er in den oberschlesischen Befreiungskampf zog,
hatte er eine junge Frau, die seinen Weg kreuzte, wie in einer
seherischen Vision vor seiner Liebe gewarnt: „Ich bin eine Art Landsknecht geworden.
Alles, was ich noch besitze, gehört dem Vaterland. Ich stehe unter
dem Zwang einer Aufgabe. Ich kann nicht anders. Du bist zart, du bist
jung, du bist schön, es ist besser, wenn Albert Schlageter sein
Leben nicht mit deinem verknüpft ...“ - Nein, er hatte
keine
Empfängerin für Liebesbriefe mehr. Aber er schrieb den Brief
eines Sohnes, den ergreifenden Brief eines Mannes, wie ihn nur ein Held
in der düsteren Gefängniszelle angesichts seines
unabwendbaren Todes zu schreiben vermag, einen Brief, der jedem seinem
deutschen Vaterland innerlich verbundenen Menschen, ob alt oder jung,
das Herz aufwühlt, wenn er den Abschiedsbrief Schlageters liest.
Der Vollstreckungsbefehl des französischen
Ministerpräsidenten Poincaré traf um 0.30 Uhr am 26. Mai
1923 in Düsseldorf ein. Der Staatsanwalt betritt nun die Zelle und
fragt Schlageter nach seinem letzten Wunsch. Schlageter bittet, einige
Zeilen an seine Eltern schreiben zu dürfen. Es wird ihm genehmigt.
Hier nur ein Auszug aus dem letzten Brief an seine Angehörigen,
der die Stärke seiner Persönlichkeit offenbart:
„Es waren seit meiner Verhaftung am
7. April bis heute entsetzlich Tage. An mich konnte ich gar nicht
denken. Mein Schicksal war auch Nebensache. Ich habe gehandelt aus
Liebe zu Euch, aus Liebe zu meinem Vaterlande. Ich weiß
dafür zu büßen. Die Größe meiner Strafe kann
mich nicht schrecken noch traurig machen. Wäre ich alleine auf der
Welt, wüßte ich überhaupt nicht, was es schöneres
geben könnte, als für sein Vaterland zu sterben. Aber um Euch
habe ich gebangt bei Tag und bei Nacht. Hätte ich Euch das
ersparen können, ich wäre gern zwei- oder dreimal vor die
Kugeln getreten. Bleibt weiter so tapfer. Denkt, ich bin an einer
Krankheit oder sonst plötzlich gestorben, zwar ein paar Jahre
früher, als zu erwarten war. Aber das kommt ja öfter vor.“
Der
Freiheitsheld wird erschossen
Ein kühler Morgen umfängt den zum Sterben bereiten deutschen
Soldaten. Ein Lastwagen fährt ihn hinaus auf die Golzheimer Heide.
Eine Grube ist dort ausgehoben, ein weißer Pfahl steckt daneben,
der Todespfahl. Der Platz ist in weitem Umkreis abgesperrt, durch
Infanterie und Kavallerie. Schlageter steigt aus dem Wagen. Er reicht
dem Geistlichen ruhig und fest die Hand. Augenblicke des Schweigens.
Dann sagt er zu ihm mit klarer Stimme: „Grüßen Sie meine
Eltern, meine Geschwister, grüßen Sie meine Freunde und mein
Deutschland!“ Schlageter läßt sich ruhig an
den Todespfahl führen. Er wird gefesselt. Die Sekunden dehnen sich
qualvoll für die Umstehenden. Ein Sergeant befiehlt ihm
hinzuknien. In Schlageter, dessen Seele schon dem Bild der Welt
entrückt ist, flammt es auf. Niemals! - ihm klingt das
Andreas-Hofer-Lied durch den Sinn - „Will sterben, wie ich stritt!“ Da
drückt ihm der französische Sergeant von hinten die Knie
durch, daß er zu Boden sinkt. Es sind Augenblicke von so
unerhörter Barbarei, daß selbst das
Erschießungskommando unruhig wird. Gedämpfter Trommelwirbel
- Schlageter reißt sich empor. Er kniet aufrecht - „Feuer!“ Die
Salve zerreißt die Morgenstille. Der Körper sinkt zusammen.
Doch noch einmal bäumt sich der arme Leib empor. Ein Offizier eilt
herbei, feuert einen Pistolenschuss in seine Schläfe. Schlageter
ist nun endgültig umgebracht. Der Opfertod Schlageters und seine
letzten Worte „Mein Deutschland“ klangen wie ein Fanfarenruf in die
Herzen aller deutschen Volksstämme von der Maas bis an die Memel,
von der Etsch bis an den Belt. Von den zahlreichen Aufrufen und
Gedichten anläßlich Schlageters Tod sei hier nun das
ergreifende
Schlageter-Lied festgehalten:
Bei dumpfem Trommelwirbel,
Zu Benrath an dem Rhein,
Da ging ein blühend Leben
Zum jähen Tode ein.
Albert Schlageter, deutscher
Held,
Franzosenwut hat dich
gefällt.
|: Du starbst für
Deutschlands Ehre,
Du starbst für Deutschlands
Ehr'! :|
Man hieß dich niederknien
Aus Niedertracht und Tück',
Den Wunsch, aufrecht zu sterben,
Wies man mit Hohn zurück.
Zwölf Schüsse krachten
allzugleich,
Kameraden, wißt im
Deutschen Reich:
|: Hier fiel ein Offizier,
Ein deutscher Offizier. :|
|
Mit schmerzzerriß'nem Herzen
Und stillverhalt'ner Wut
Sah'n wir dein Leben enden
Und fließen teures Blut.
Dein ungebroch'ner Mannesstolz
Blieb fest wie deutscher Eiche
Holz.
|: In starkem Heldentume,
In starkem Heldentum. :|
Du deutscher Andreas Hofer,
Du Perle deutscher Treu',
Dein Glanz kann nie verblassen,
Wird immer wieder neu!
All Deutschland schwört,
trotz aller Not,
Zum Dank für deinen
Märtyrertod:
|: Refrain fehlt hier. In der Vorlage
von
1925 nicht mehr lesbar. :|
|
Heute befindet sich an
der Stelle seiner Hinrichtung kein Denkmal
für Schlageter mehr, sondern für die „Opfer des
Nationalsozialismus und des Krieges“.
Damals aber verwehrte nicht einmal der politische Feind Schlageter
seine Anerkennung. Der jüdische sowjetische Politiker Karl Radek,
der die Revolution in Deutschland von 1918 mit vorbereitet hatte,
sprach am 20. Juni 1923 vor der Komintern folgende Worte:
„Wir sollen das Ende dieses Märtyrers
des deutschen Nationalismus nicht totschweigen, wir sollen auch nicht
nur mit einer Phrase darüber hinweggehen. Schlageter, der mutige
Kämpfer der Gegenrevolution, verdient, daß wir als
Kämpfer der Revolution ihm die Ehre erweisen, die
Ehrenmännern zukommt. Wir sollen alles tun, damit Männer wie
Schlageter, die bereit waren, im Interesse der Gemeinschaft in den Tod
zu gehen, nicht umsonst gestorben sind, sondern einer besseren Zukunft
der ganzen Menschheit erhalten bleiben!“
Diese Ehre bekommt heute Schlageter - wie viele andere
Freiheitskämpfer - von staatlicher Seite nicht.
„Ein Volk, das von seiner Geschichte
sich trennt, und wenn ihm Schmach auf der Stirne brennt, wird von Gott
von der Tafel gelöscht.“ - Otto von Bismarck (Reichskanzler)
Albert Leo Schlageter lebt aber in unseren Herzen weiter. Seine Tat und
sein Schicksal sind uns Vorbild.
Tapfer
sein, dabei anständig bleiben, selbstlos sein, und die Sache der Gemeinschaft
über die eigene Person stellen.
Möge das deutsche Volk noch einige Schlageters hervorbringen!
Alexander von
Webenau